Spiritualität
"Spiritualität manifestiert sich als eine spezifische Einstellung zur Wirklichkeit, nämlich diese Wirklichkeit in irgendeiner noch zu bestimmenden Weise als bedeutsam oder erhaben zu erleben und entsprechend zu handeln“ (Sebastian Gäb, Was ist atheistische Spiritualität. Eine Analyse, in: ZTP 145 (2023) 431-452, 444).
Spiritualität kann säkular, religiös und christlich konnotiert sein.
Ob säkular oder religiös bzw. christlich sind folgende Merkmale hinreichend und notwendig:
1) emotional
„Wer spirituell ist, bleibt der Realität gegenüber nicht kalt, sondern wird von ihr berührt“ (446). „Spiritualität ist also eine Haltung zur Wirklichkeit, die eine tiefe und durchdringende emotionale Ergriffenheit mit sich bringt“ (447).
2) evaluativ
Spiritualität wertet. Die Wirklichkeit wird „in sich wertend verstanden – positiv oder negativ“ (447). „Diese Werte können ethische oder ästhetische sein“ (447), es handelt sich dabei um eine „intrinsische Bedeutung aller Dinge“ (448).
3) noetisch (kognitiv)
Mit Spiritualität ist eine bestimmte Einsicht und Erkenntnis verbunden. „Die Einsicht, die die Grundlage einer spirituellen Einstellung bildet, lässt sich daher am ehesten als Erkenntnis der Selbstlosigkeit beschreiben“ (448).
4) intentional
Die spirituelle Einstellung richtet sich auf die Wirklichkeit als ganze – „eine bestimmte, habitualisierte Art und Weise, mit der Wirklichkeit als ganzer zu interagieren und sie zu erfahren“ (445).
5) das Selbstverhältnis betreffend
Dies bedeutet, „die Wirklichkeit in einer spirituellen Einstellung nicht mehr aus dem unmöglich gewordenen Blickwinkel des eigenen Selbst zu betrachten, sondern von einem nicht mehr subjektiven Standpunkt aus“ (449).
Religiös konnotiert ist die Gesamtheit der Wirklichkeit, auf die sich Spiritualität bezieht und ausrichtet, von einem Zueinander von Immanenz und Transzendenz geprägt. Christlich konnotiert ist dieses Zueinander von Immanenz und Transzendenz als innigste Vereinigung Gottes mit der gesamten Menschheit und Welt beschrieben worden (2. Vatikanisches Konzil).
Zur Spiritualität als Haltung, die Denken und Handeln prägt, gehört, dass sie durch "Übung und Wiederholung erworben" (Gäb 445) wird.
Auftrag der Kirche ist es daher, Orte und Zeiten, Anleitung und Anleiter:innen zur Verfügung zu stellen, dass Spiritualität eingeübt, geübt, wiederholt und reflektiert werden kann - für sich allein und in Gemeinschaft, christlich und grenrüberschreitend hybrid.
Eines dieser Angebote in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist Jugum, verbunden mit der Herzmeditation oder anderen Formen christlicher Übungspraxis (u.a. Meditation, Pilgern, Liturgie).